Revolte

Donnerstag 25. November 2010 – 19 Uhr

Dersim Kulturverein
Waterloo-Ufer 5 (U Hallesches Tor), Berlin

 

Banlieues: permanente Revolte,

Repression und die Organisierung von Aktivistinnen in den französischen Vorstädten


Eine Infoveranstaltung mit Aktivistinnen aus den Pariser Banlieues zum Alltag, der Repression und der Gegenwehr sowie der Organisierung von Frauen in den französischen Banlieues

Die wochenlangen Revolten von 2005 sind mittlerweile 5 Jahre her. Sie sorgten damals für große mediale Aufmerksamkeit: die brutale soziale Realität schien für kurze Zeit wahrgenommen zu werden. Was hat sich seit dem geändert?

Weiterhin sind Schikane, Knast, Verletzungen und Todesopfer bei Polizeieinsätzen an der Tagesordnung und lösen regelmäßig nächtliche Auseinandersetzungen mit der Polizei aus. Autos, Schulen und andere staatliche Institutionen werden zum Ziel von (Brand)Anschlägen.

So gab es auch im letzten Sommer schwere Auseinandersetzungen in den Banlieues von Grenoble, nachdem ein Mann – verfolgt wegen eines Überfalls – von den Bullen kaltblütig durch einen Kopfschuss ermordet wurde. Am folgenden Tag wurde in einem Dorf mitten in Frankreich ein weiterer junger Mann unter ähnlichen Umständen erschossen.

Kapital und Staat nutzen die Ereignisse, um rassistische Hetzkampagnen wie auch die Repression gegen Jugendliche aus den Banlieues zu intensivieren. Die Verschärfung der Sicherheitspolitik in Zeiten der Wirtschaftskrise und die Abschiebung von tausenden Roma wie im letzten Jahr gehen damit einher.

Geht es in den Medien um die Banlieues, dann nur um gewalttätige jugendliche Männer. Um die Ordnungspolitik zu legitimieren werden Frauen pauschal als Opfer stigmatisiert, die dem Gesetz der Brüder und Väter untergeordnet sind, als Mütter oder Frauen. Diese Propaganda wirkt auch in Deutschland: bei einigen mögen die Revolten in den Banlieues die Fantasie eines Aufstands anheizen, aber nicht ohne eine gewisse Distanzierung von sexistischen männlichen Rebellierenden. Dies aber leider ohne sich mit der Situation in den Banlieues und den sozialen Kämpfen vertieft auseinander zusetzen.

Für unsere Veranstaltung über die Banlieues haben wir ausschließlich Frauen eingeladen. Sie sind alle Aktivistinnen der FSQP (Forum social des quartiers populaires – in etwa „Forum der sozialen Nachbarschaften“) . Diese politische Organisation (als Verein registriert) wurde im Jahr 2006 gegründet in Folge der Auslösung der MIB (Mouvement de l’immigration et des Banlieues – Bewegung der Immigration und der Banlieues, 1995-2005). Letztere kämpfte in erster Linie gegen Polizeigewalt und unterschiedliche Formen der Repression (Knast, Abschiebungen). Die MIB bemühte sich, die im herrschenden Diskurs verleugnete soziale Realität sowie den Rassismus aufzugreifen und die Geschichte der sozialen Kämpfe in den Banlieues lebendig zu halten. Seit 2007 hat die FSQP auch dreimal das Forum „sociaux des quartiers populaires“ organisiert und damit versucht, Initiativen aus ganz Frankreich zusammenzubringen. Auch dies soll bei der Veranstaltung vorgestellt werden. Außerdem wird ein kurzer Film über die Aktivitäten der MIB gezeigt. Im Anschluss Berichten die Aktivistinnen über ihre politische Arbeit und ihren Alltag sowie insbesondere ihre Organisierung als Frauen. Hier noch ein Zitat aus einem Aufruf von ihnen:

„Weil die Autonomie der Frauen die Einzige ist, deren Legitimität hinterfragt wird. Wollen wir uns Worte und unsere Kämpfe wieder aneignen. Weil in jeder politischen Gruppe, in jedem Kollektiv oder in jeder Bewegung, mit welchen wir zusammen gekämpft haben, unsere Worte und unsere Handlungen nicht selten unterschätzt worden sind. Weil im allgemeinen die Kämpfe und Forderungen die um Rechte und Emanzipation der Frauen zentriert sind beiseite gelassen und als zweitrangig betrachtet werden. Dies auch durch uns selbst. Wollen wir Räume für Treffen entwickeln, die es uns ermöglichen den Wert unserer eigenen Ideen und Engagements wieder schätzen zu lernen. Räume, die Verbindungen zwischen Frauen herstellen, die viele unterschiedliche Geschichten und Erfahrungen haben, die als Gemeinsamkeit verbindet, dass sie zur Klasse der Frauen aus den populären Stadtteilen gehören. Denn die Unterdrückung unsere sozialen Klasse geht einher mit der Unterdrückung durch Sexismus und der Rassismus. Die einzige Chance für den Erfolg des Kampfes der Frauen, liegt darin, alle drei Aspekte ins Auge zu fassen.“

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Einladung zum Treffen für flt* (frauen-lesben-trans*)

wir würden euch gerne einladen zu einem gemütlichen nachmittag mit diskussionen über organisierung von frauen* oder flt* in vergangenen und in heutigen zeiten. Anlass dafür ist, dass wir frauen aus den banlieues eingeladen haben, die ein grosses interesse an einen austausch mit uns haben. wir auch und wir hoffen euch zu sehen.

Samstag 27.11.2010 – 16 Uhr

im Heile Haus, Waldemarstr. 36

 

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gesammeltes zum Thema Banlieues

 

 

fsqp

(forum social des quartiers populaires – in etwa „Forum der sozialen Nachbarschaften“) Video hier

 

 

 

Videos zur MIB

(mouvement de l`immigration et des Banlieues – „Bewegung der Immigrant_innen und der Banlieues“) hier

 

 

 

Ein Film, eine Ausstellung, eine Vorstadt:

«Einige von uns»

(Artikel von Maud Pascal aus der französischen Ausgabe der Le Monde Diplomatique, Januar 2006)

… „Wenn man nicht akzeptieren kann – wie Sie schreiben – dass herabgesetzte, marginalisierte und diskriminierte Jugendliche kein anderes Ausdrucksmittel als die Gewalt haben, wie kann man dann akzeptieren, dass diejenigen die über alle Ausdrucksmitteln verfügen, diese anwenden um Nicht-Information und Angst zu erzeugen, was für uns eine sehr große Gewalt bedeutet?“ … weiterlesen

 

 

Aufruf zu den Frauen aus den Banlieues1

Wird über Jugendliche aus den Banlieues gesprochen, dann geht es eindeutig nur um Jungen/Männer. Werden Mädchen/Frauen von den Medien, den Politiker_innen und den Vereinen in den Vordergrund gestellt, dann nur anhand des Bildes der Frau als Opfer der Gesetze ihrer Brüder und Väter und jener Gesetze unterworfen, oder an Hand des Bildes der Mutter. weiterlesen

 

 

Warum werden Treffen und Debatten unter Aktivist_innen aus den französischen populären Stadtteilen organisiert ?

Weil die Autonomie der Frauen die Einzige ist, deren Legitimität hinterfragt wird. Unsere Worte und unsere Kämpfe wollen wir uns wieder aneignen. Weil in jeder politischen Gruppe, in jedem Kollektiv oder in jeder Bewegung, mit welchen wir zusammen gekämpft haben, unsere Worte und unsere Handlungen nicht selten unterschätzt worden sind. Dazu werden im allgemeinen die Kämpfe und Forderungen die um Rechte und Emanzipation der Frauen zentriert sind beiseite gelassen und als zweitrangig betrachtet,. Dies auch manchmal von uns selbst. Wir wollen Räume für Treffen entwickeln, die es uns ermöglichen den Wert unserer eigenen Ideen und Engagements wieder einzuschätzen. weiterlesen

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